Der zerbrochne Krug

Die erste dramaturische Arbeit – nach nur einer Hospitanz am Schauspielhaus Graz bei dem Stück „Phädra“ von Jean Racine – war „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich (v.) Kleist. Eine inspirierende Erfahrung sich intensiv der Auseinandersetzung mit Kleists Subtilität von Sprache und Denken widmen zu können. Für mich tat sich eine Möglichkeit auf, Philosophie und Theater auf konstruktive Art und Weise in Verbindung zu bringen, tat sich auf.

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Manfred Lukas-Luderer, Adam, Dorfrichter. Hemma Clementi Frau Brigitte, Margarete, eine Magd. Gernot Piff, Veit Tümpel, ein Bauer. Ivana Rauchmann, Eve Tochter von Marthe Rull. Thomas Stolzeti, Walter der Gerichtsrat.  Heinz Weixelbraun, der Schreiber Licht.  Peter Windhofer, Ruprecht Veit Tümpels Sohn. Isabella Wolf, Frau Marthe Rull.

Regie Manfred Lukas-Luderer. Bühnenbild Gerhard Fresacher/Nina Herzog/HTL Villach. Dramaturgie Tanja Peball. Musik Thomas Wallisch. Kostüm Antoaneta Stereva Regieassistenz Andrea Müller. Produktionsleitung Andreas Möderndorfer. Produktionsassistenz Brunhilde Wresnik. . Grafik David Maier. Technik Bernhard Krieber.

Zeithorizont zu Heinrich v. Kleist

Heinrich von Kleist, geboren 1777, im 18. Jahrhundert, der Zeit von Absolutismus und Aufklärung und des durch die französische Revolution aufstrebenden, und die Macht des Adels brechenden Bürgertums. Die Moderne beginnt. Die Anfänge der industriellen Revolution werden – besonders in Großbritannien – sichtbar, die soziale Frage wird immer dringender (…) Lesen Sie hier den gesamten Text.

„Ich dichte nur weil ich nicht anders kann.“ Heinrich (v.) Kleist

Mit seiner „Faktizität“, der Tatsache, dem pommerschen Uradel anzugehören, kämpft Kleist sein Leben lang. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht er, die mit dieser Zugehörigkeit verbundenen, überlieferten Traditionen, sozial, beruflich und geistig , aufzuheben. Den Großteil seiner Briefe – die hauptsächlich an seine Schwester und enge Vertraute Ulrike gerichtet waren – unterzeichnete er mit „Heinrich“, das „von“ wurde von ihm selbst kaum verwendet, ein Hinweis unter vielen, der die ablehnende Haltung und den Widerstand gegen (…) Lesen Sie hier den gesamten Text.

Das Stück – die Inszenierung

Mit „Der zerbrochne Krug“ bringt Manfred Lukas-Luderer einen Geniestreich von Heinrich (von) Kleist und Klassiker der deutschen Theaterliteratur auf die Bühne des Marmorsteinbruchs. Bereits im Titel verweist Kleist auf eine seiner Grundfragen:

wenn er sein Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ nennt, wird gleichzeitig die Frage „Wie kommt das Böse in die Welt“ gestellt – ein Verweis darauf dass in diesem Stück Moral, Ethik und Handlungs- und Willensfreiheit auf dem Prüfstand stehen.

In der zweiten Stufe der Schöpfungsgeschichte der Kabbala zerbrechen die Krüge – die Scherben bleiben als das Böse in der Welt zurück. Ebenso wird die Büchse der Pandora als Krug begriffen – Hesiod brachte durch das Ausleeren des Kruges die Plagen über die Welt. Bei Kleist bekommt der Krug noch eine Weitere Bedeutung (…) Lesen Sie hier den gesamten Text.